Grünholzmobil - eine begeisternde Projektwoche!

Anstatt in ein Lager zu gehen, führte die Primarschule Lienz dieses Jahr eine etwas spezielle Projektwoche durch. Michael Heuberger mit seinem Grünholzmobil wurde an die PS Lienz eingeladen. Es ist unglaublich faszinierend, was alles in ein paar Tagen entstehen kann und welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler im Zusammenhang mit der Bearbeitung vom Haselstauben entwickelten. Die Kreativität wurde genauso gefördert wie die Feinmotorik und die Ausdauer. In einem Interview gibt Michael Heuberger Auskunft über sein Gründholzmobil:

 

Lieber Michael, die Primarschule Lienz hat vom 22. – 26. Juni 2026 eine spannende Projektwoche mit dir und deinem Grünholzmobil erlebt. Seit wann bist du mit diesem Grünholzmobil unterwegs, wieso hast du das Grünholzmobil erschaffen und wie hat es sich seither entwickelt?

Michael: Ich bin seit 2011 mit meinem Grünholzmobil unterwegs. Ursprünglich komme ich aus der sozialen Kinder- und Jugendarbeit. Von Beruf bin ich Erzieher. Seinen Anfang nahm diese Arbeit mit einem Spielmobil. Mit Traktor und Bauwagen reiste ich zu Schulen und Jugendstätten. Ich hatte meine Werkstatt dabei und organisierte während den Schul- und auch während den Ferienwochen Projekte. Bei dieser Arbeit merkte ich, dass Spielen und Werken zusammengehören. Kinder unterscheiden beispielsweise nicht zwischen dem Bau einer Waldhütte und dem Spiel darin. Kombiniert mit meiner Faszination für frisches Holz, insbesondere Hasel- und Holunderstauden habe ich dann das Grünholzmobil entwickelt. Sehr schnell habe ich gemerkt, dass die Arbeit ohne elektrische Unterstützung entschleunigt. Mit etwas Fantasie und Ausdauer ist sehr vieles möglich. Vom Löffel, über die Flöte und einfache Holzspiele, bis hin zu komplexeren Stühlen und Bänken sind der Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Kinder und Jugendliche lieben das «Schreiner»-Spielen. So herrscht im Grünholzmobil stets ein reges Treiben.

Welche Kompetenzen entwickeln Kinder, wenn sie ein paar Tage mit dir im Grünholzmobil arbeiten?

Michael: Das Wichtigste ist, dass die Kinder Selbstwirktsamkeit erfahren. Sie merken, dass wir mit unseren Händen etwas bewirken können und aus einfachsten Materialien ein Gegenstand, resp. ein Produkt entstehen kann. Im Gegensatz zur Arbeit in vielen professionellen Werkstätten, wo mit bereits vorhandenen Holzplatten gearbeitet wird, steht bei der Arbeit im Grünholzmobil der gesamte Prozess vom Anfang (z.B. Ast) bis zum fertigen Produkt (z.B. Holzflöte) im Zentrum. Es geht nicht nur um die drei Funktionen Sägen, Spalten und Schneiden mit all ihren Möglichkeiten, sondern auch um geschichtliche Aspekte. Die Arbeit mit einfachsten Materialen ermöglicht es in die geschichtliche Vergangenheit zurückzureisen beispielsweise die Holzbearbeitung mit spitzen Steinen in der Steinzeit zu thematisieren.

Im Grünholzmobil arbeiten alle Schülerinnen und Schüler vom ersten Kindergarten bis zur 6. Klasse gleichzeitig. Wie kann das funktionieren?

Michael: Das Prinzip ist einfach. Alle Kinder starten auf dem Level 1. Das sind sehr einfache Übungen, die jeder machen kann. Je nach Alter des Kindes wird aber bereits an diesem Punkt differenziert. Ältere Kinder benutzen grössere Äste oder auch grössere Werkzeuge. Dann beginnt ein stufenartiger Aufbau. Jedes Kind arbeitet auf seinem Level. Sobald dieses erreicht ist, geht es dann weiter. Dabei ist mir wichtig die Technik jedem Kind so oft zu zeigen, wie es nötig ist. Die Herausforderung für mich als Leiter des Grünholzmobils ist nicht die grosse Altersspanne, sondern das Behalten der Übersicht bei gleichzeitiger Betreuung aller Kinder. Ich nehme mir da aber gerne Rituale zu Hilfe. Der stets gleiche Ablauf unterstützt bei der Organisation und definiert einen klaren Rahmen. Zudem ist es wichtig den Schülerinnen und Schülern vertrauen zu schenken, dies im Wissen, dass die eine oder andere kleine Verletzung auftreten kann.

Was wird dir von der Projektwoche an der Primarschule Lienz in Erinnerung bleiben?

Michael: Von der Projektwoche in Lienz wird mir besonders die grosse Altersspanne der Kinder in Erinnerung bleiben. Obwohl ich vor dieser Situation anfänglich etwas Respekt hatte, freute ich mich darauf. Dass es geklappt hat, ist toll. Des Weiteren freut es mich sehr, dass die Primarschule Lienz mir die ganze Schule anvertraut hat und wir während 5 Tagen so intensiv und gut zusammengearbeitet haben. Insbesondere das grosse Interesse der Lehrerschaft war eine besondere Unterstützung. Dies ist nicht alltäglich und hat mir bereits bei der Einführung am Samstagnachmittag ein besonders gutes Gefühl gegeben.

Gibt es noch etwas, das du uns noch sagen möchtest?

Michael: Viele Leute meinen, dass sie für ihre Kinder alle möglichen Spielzeuge und Materialien zum Basteln kaufen müssen. So ist es aber nicht. Kinder brauchen keine verpackten glitzernende Kieselsteine oder perfekt geformte Bausteine aus Holz oder Kunststoff. Ihnen genügen Materialien wie Holz, Fasern, Steine und vieles andere das die Natur für uns bereithält. Diese Materialien faszinieren per se und regen die Fantasie an.

Lieber Michael, wir wünschen dir bei deiner weiteren Arbeit mit dem Grünholzmobil alles Gute. Es war uns eine Freude dich an unserer Schule haben zu dürfen. Mit viel Motivation, Engagement und Kreativität haben unsere Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Produkten gearbeitet.

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