Klassenlager Seedorf

Beenge Verkehrswege - Donnerstag, 19.30

Wir Rheintaler kennen normalerweise die Axenstrasse eher aus den Staunachrichten am Radio als aus eigener Erfahrung. Die Urner haben hier dem Gelände Verkehrswege abgetrotzt, wo es eigentlich gar keinen Platz dafür gibt. Auf der einen Seite eine steile Felsflanke, die immer mal wieder Steine oder Felsbrocken in die Tiefe spuckt, direkt anschliessend der Urnersee. Dazwischen drängen sich Eisenbahn, Strasse und Veloweg. Viel Infrastruktur muss gegen Steinschlag und Lawinen geschützt werden, der Berg ist dauernd in Bewegung. Diesen Schlauch haben wir heute hinter uns gebracht, um zum Bundesbriefmuseum in Schwyz zu gelangen. Es ist nicht die allerschönste Radstrecke, aber sehr eindrucksvoll. Der Ausblick auf See und Berge ist zwar grandios, man hat aber kaum Zeit, ihn zu geniessen. Es gibt einen durchgängigen Veloweg, er ist aber sehr schmal und erfordert Konzentration beim Fahren. Die Kinder mussten strikt hintereinander bleiben. Unzählige Autos und auch ziemlich viel Schwerverkehr quetschten sich an uns vorbei. Die Mädchen und Jungs lösten diese Aufgabe hervorragend, so dass wir sicher ans Ziel kamen.

Bei der Tellsplatte genossen wir die erste Pause, unten am See. Die Schülerinnen und Schüler hatten ihren Spass mit dem grossen Glockenspiel, das gewünschte Melodien spielt. Das Mittagessen wurde uns vom zuverlässigen Küchenteam nach Schwyz geliefert. Führung und Workshop im Bundesbriefmuseum waren lehrreich, interessant und dank gestalterischen Teil auch kurzweilig. Dann radelten wir denselben Weg zurück. Alle Kinder sind gesund und wohlauf, das ist unser absolut oberstes Ziel bei solchen Touren. Man kann trotz sorgfältiger Planung nicht jedes Risiko ausschliessen. In solchen Situationen wird uns aber bewusst, welch grosse Verantwortung wir tragen. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns bei den Eltern.

Unser Lager neigt sich bereits dem Ende entgegen. Wie jedes Mal verging die Zeit rasend schnell, zusammen erlebten wir tolle Dinge, die den Kindern besser in Erinnerung bleiben werden, als der gewöhnliche Unterricht. Wir sind überzeugt, dass sie in dieser Woche mindestens so viel lernen und mitnehmen.

Zum Schluss möchten wir uns ganz herzlich bedanken! Petra und Dunja haben dieses Jahr schon die zweite Ferienwoche für unsere Schulkinder geopfert. Dank ihrem Einsatz bei der Planung, in der Küche und bei der Betreuung der Kinder haben wir den Rücken stets frei für alle anderen Dinge - herzlichen Dank, wir freuen uns bereits aufs nächste Mal!

Raphael Ammann stellte uns seinen Anhänger zum Velotransport zur Verfügung. Viele Dinge werden möglich, wenn man ein Fahrrad dabei hat und so sehr mobil ist. Vielen Dank!

Morgen wird früh Tagwache sein. Wir putzen das Haus, verladen in Flüelen die Velos und fahren dann direkt zum Verkehrshaus. Wir freuen uns auf einen weiteren spannenden Tag! 

 

Des Teufels Werk - Mittwoch, 20.00

Ungefähr um 1200 wollten die Urner in der Schöllenenschlucht, die bis dahin unbezwingbar gewesen war, eine Brücke bauen. Der Sage nach soll ihnen der Teufel dabei behilflich gewesen sein. Im Gegenzug hatten sie ihm die erste Seele versprochen, die über die Brücke ginge. Der Teufel hielt sein Versprechen ein, baute die Brücke über die schwindelerregend tiefe Schlucht und forderte seinen Lohn. Die listigen Urner aber schickten als erstes einen Geissbock über die Brücke. Mit einem riesigen Felsblock wollte der wütende Teufel die Brücke wieder zerstören, aber ein altes Weiblein ritzte rasch ein Kreuz in den Stein. So verfehlte der Teufel die Brücke und der Fels donnerte mit grossem Getöse ins Tal, wo er bei Göschenen liegen blieb.

Noch heute liegt dieser Teufelsstein unterhalb dem Bahnhof von Göschenen, wo wir ihn heute besichtigten. Beim Bau der Autobahn war er noch etwa 120 Meter versetzt worden, diesmal aber von Menschenhand - ich nehme an mit Hilfe von Hydraulik. Dann stiegen wir das Tal hoch, bis wir auf der Teufelsbrücke selber unser Fotoshooting machen konnten. Ich hatte anschliessend in Andermatt ein Meeting mit Sami Sawiris im Chedi, das normale Fussvolk begnügte sich mit Bahnhofshalle und Coop, Süsswarenabteilung.

In Amsteg stand dann der Höhepunkt des Tages an. Wir besichtigen den Neat Tunnel. Bei einer Führung wurden wir durch einen Zugriffstollen unmittelbar zur Tunnelröhre gebracht. Wir erfuhren alles über den Bau und Betrieb dieses Jahrhundertwerkes. Beeindruckend, wenn ein Zug mit 200 km/h aus der Dunkelheit auftaucht und vorbeidonnert.

Nun beginnen wir mit dem Abendprogramm, bevor wir alle zum Träumen schicken! Allen Kindern geht es gut, wir freuen uns auf morgen!

Rütlischwur - Dienstag, 17.30

Das Rütli ist für uns Schweizerinnen und Schweizer ein geschichtsträchtiger Ort. Einmal im Leben dort zu sein sozusagen eidgenössische Pflicht. Dieser kamen wir heute nach. Nach einer ruhigen Nacht füllten wir unsere Energiespeicher beim Morgenessen. Dann bewegten wir unsere Drahtesel dem Urnersee entlang. Ursprünglich hatten wir nur bis Isleten mit dem Velo geplant. Spontan entschieden wir uns dann aber, bis Bauen weiterzufahren. Dort bestiegen wir das Schiff, welches uns bequem bis zum Rütli fuhr. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, mindestens eine Strophe der Nationalhymne zu singen. Dass wir dabei alle vertrieben, die nur minimales Musikgehör besitzen, war uns egal.

Dann bezwangen wir den steilen Anstieg nach Seelisberg. Alle Kinder machten das wirklich gut! Die meisten hatten noch Luft übrig, ein paar Lieder zu singen. Beim anschliessenden Bräteln und Spielen im Wald konnte sich alle wieder erholen. Der Abstieg zurück nach Bauen ist mit vielen Steinstufen gespickt, welche uns gehörig in die Beine fuhren. Da kam eine Kneippkur im kühlen Urnersee sehr gelegen. Die kurze Velofahrt zurück nach Seedorf war wieder ein Kinderspiel für unsere quirlige Schar.

Heute Abend fahren wir nach Altdorf ins Hallenbad. Die Kinder freuen sich darauf. Morgen werden wir die Schöllenenschlucht mit der Teufelsbrücke bezwingen, bevor wir am Nachmittag in Erstfeld an einer interessanten Führung im Gotthard Tunnel teilnehmen können.

Alle Kinder sind wohlauf, wir freuen uns auf die kommenden Tage! 

Montag: Auf Tells Spuren

Nach der Anreise mit dem Zug stiegen wir in Flüelen auf unsere Velos um und bewältigten die letzten Kilometer mit Muskelkraft. In Seedorf bezogen wir unser gemütliches Lagerhaus. Petra und Dunja zauberten in kürzester Zeit ein feines Menu auf den Tisch - wir hatten nichts anderes erwartet. Am Nachmittag brachten wir die nächsten Velokilometer hinter uns. Bereits ein erstes Mal stellten wir fest, dass der Kanton Uri ein Bergkanton ist. Bis Bürglen, wo wir im Tellmuseum eine Führung genossen, mussten wir tüchtig strampeln.

Danach sausten wir wieder nach Altdorf. In zwei Gruppen machten wir uns auf eine Schnitzeljagd rund um Altdorf. Am Abend übten wir unsere Lieder, die wir am OpenAir Kobelwald vortragen möchten. Da liegt noch etwas Arbeit vor uns.

Morgen fahren wir mit den Velos nach Isleten, dann mit dem Schiff zum Rütli und zu Fuss wieder zu den Velos zurück. Wir freuen uns auf diesen Tag. Es geht allen Kindern gut.

Skilager Flumserberg 2020

Chef de piste - Donnerstag, 23.30

Donnerstag ist Renntag. Am Vormittag zogen wir nochmals wunderbare Schwünge in den Schnee, bevor es am Nachmittag ernst wurde. Mittlerweile kennen wir die Leute vom Pistendienst. Sie stellen für uns eine abgesperrte Piste mitsamt Rennmaterial zur Verfügung. Diesen Service schätzen wir sehr. Wenn ich dann lässig mit dem grossen Akkubohrer in der Hand zur Rennstrecke fahre, fühle ich mich wie der Chef vom Lauberhorn persönlich. Ich spüre den Neid meiner Kollegen im Nacken, wenn ich lässig den Berg hinunter carve, und bewundernde Blicke von kleinen Kindern mit so ernster Miene hinnehme, als würde ich persönlich und alleine ein Weltcuprennen verantworten. Nie würde ich dieses Gerät auch nur für eine Sekunde aus der Hand geben - cooler wär nur noch Pistenbully fahren!

Das Rennen klappte reibungslos, mit würdigen Siegerinnen und Siegern. Für das Abendprogramm hatten alle Kinder in einer Gruppe eine Darbietung für den Bunten Abend vorbereitet. Da hier unsere Schülerinnen und Schüler Regie führten, ging es ziemlich turbulent und chaotisch zu und her. Schliesslich schafften wir aber auch das. Dann durften sie noch für kurze Zeit in ihre geliebte Disco. Nun sind alle im Bett. Wir steuern schon wieder auf das Ende des Lagers zu. Einmal mehr verging diese Woche wie im Flug. Morgen werden wir nach dem Morgenessen zuerst das Haus räumen und putzen, dann geht’s nochmals auf die Piste. Das Mittagessen werden wir in einem Restaurant geniessen, damit das Haus schon um 11.00 abgegeben werden kann. Alle Kinder sind wohlauf, wenn auch ziemlich müde. Aber das gehört zu einem richtigen Skilager dazu.

Zum Schluss möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei unseren Leitern bedanken! Einen strengen Job hatten Petra und Dunja. Sie zauberten, einmal mehr, wunderbare Menus auf den Tisch. Ausserdem kümmerten sie sich um alle Kinder, welche nicht am Programm auf der Piste teilnehmen konnten. Urs, Sarina und Valentin betreuten unsere Kids auf und neben der Piste. Sie alle opfern eine Woche ihrer Freizeit. Vielen herzlichen Dank, wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr!

Falsche Wahl - Mittwoch, 22.00

Als Leiter hast du zwei Möglichkeiten: Entweder fährst du deiner Gruppe voraus, wählst vorausschauend den besten Weg, das richtige Tempo und einen geeigneten Ort zum Anhalten. Der Nachteil dieser Version ist, dass du bei einem Sturz, verlorenen Ski, Angstzuständen im vereisten Steilhang oder ähnlichen Problemen den Hang hochlaufen musst, um einem mehr oder weniger dankbaren Kind zu helfen. Als zweite Möglichkeit schickst du die Gruppe voraus und sammelst mit Hinterherfahren alles zusammen, was auf der Piste liegenbleibt, vom Skistock übers Taschentuch bis zum ganzen Kind. Heute traf ich definitiv die falsche Wahl. Meine Gruppe fuhr voraus, sie wussten wo sie anhalten sollten. Taten sie auch, aber ein mutiger Rennfahrer hatte den Bremsweg leicht falsch eingeschätzt. So kam er eben in einem Bächlein zum Stillstand. Nicht gefährlich, keine reissende Strömung und keine bissigen Fische im Wasser, aber im Skianzug eben nicht sehr angenehm. Das kalte Wasser lief oben in die Skischuhe, die Jacke triefte, denn er hatte sich beim Bremsen auch noch kurz hingelegt. Leider war ich nicht geistesgegenwärtig genug, ein Foto zu schiessen, denn schliesslich musste dem armen Kerl geholfen werden. Zum Glück war die Gondel nicht allzu weit entfernt. So fuhr er windgeschützt ins Tal, wo das blitzartig aufgebotene Küchenteam schon auf ihn wartete.

Ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns. Die Entscheidung, unsere mitgebrachten Schlitten am Morgen zu nutzen, war goldrichtig. Die Schlittelbahn war topfeben und richtig schnell. Zum Glück waren die Sturzräume gut gepolstert. Unsere drei Halb-Verletzten hatten wir aus Sicherheitsgründen nicht mitgenommen. Sehr zum Leidwesen der Drei, aber das Risiko wäre einfach zu gross gewesen. Schlitteln ist gefährlicher als Skifahren. Gegen Mittag liess die Qualität der Bahn stark nach, aber bis dahin hatten wir schon etliche Kilometer abgespult. Die Suche nach einem verlorenen Schlitten war erfolglos, dafür fand ich einen anderen. Nach dem Mittag regelte sich aber alles selber, das vermisste Stück wartete brav bei der Talstation.

Leider verletzte sich heute ein Kind am Fuss. Da ans Skifahren in den nächsten Tagen nicht zu denken ist, trat er bereits die Heimreise an. Wir hoffen, dass es nicht sehr schlimm ist. Gute Besserung!

Am Abend wollten wir auch allen anderen Kindern noch zu einem Bad verhelfen. Wir schickten sie aber nicht in einen Bach, sondern besuchten das nahe Hallenbad. Alle 3. und 4. Klässler sind seit 22.00 im Bett. Die 5./6. Klässler schwingen in der Kellerdisco das Tanzbein. Unsere jüngeren Leiter zeigen ihnen, wie das geht!

Lager vs. Ferien - Dienstag, 14.1., 23.10

Wir haben wieder einen absoluten Traumtag hinter uns. Es ist angenehm warm, die Pisten sind super, vor allem am Morgen. Nach Essen und Schneesport genossen die Kids einen Film im hauseigenen Kino. Zum Abendessen erhielten wir Besuch von einer Schulrats-Delegation. Dass die Behörde unsere Arbeit wertschätzt, freut uns jedes Jahr aufs Neue!

Wer unsere Fotos aus dem Lager betrachtet, kann sie kaum von Ferienbildern unterscheiden. Überall Schnee und Sonne, lachende Gesichter strahlen um die Wette. In Tat und Wahrheit hat so ein Schneesportlager nur wenig mit Ferien zu tun, weder für die Kinder, noch für uns Leiter. Es ist eine offizielle Schulwoche. Dass sie ab der vierten Klasse obligatorisch ist, kann im Vorfeld in Einzelfällen sogar zu einem mulmigem Gefühl oder gar Kopfzerbrechen führen.

Wie eine ganz normale Schulwoche gibt es für ein Lager Lernziele, welche wir erreichen möchten. Neben sportlichen werden in erster Linie soziale Kompetenzen aufgebaut. Aber was unterscheidet ein Skilager von privaten Ferien?

- Damit das Leben in einer Gruppe funktioniert, müssen Regeln eingehalten werden. Das eigene Ego wird zurückgestellt, individuelle Bedürfnisse eingeschränkt.

- Das Lager ist nicht freiwillig, sondern wie bereits erwähnt, obligatorisch. Nicht jedes Kind würde teilnehmen, wenn es frei wählen könnte. Nicht alle Eltern würden ihre Söhne und Töchter für fünf Tage „loslassen“.

- Die Destination kann nicht selber gewählt werden. Die ganze Gruppe muss den ausgewählten Ort akzeptieren.

- Es gibt einen geregelten Tagesablauf mit mehr oder weniger starren Zeiten, die für alle gelten. Dazu gehören Tagwache und Nachtruhe.

- Die Unterkunft ist zweckmässig und eng. Die Einrichtung ist auf die wesentlichen Bedürfnisse (Schlafen – Essen – Körperpflege) ausgerichtet. Luxus gibt es eigentlich nicht.

Zum Glück stören sich die allermeisten Kinder überhaupt nicht an diesen Dingen! Sie geniessen das Zusammensein, das gemeinsame Skifahren und die Lageratmosphäre. Kompetenzen und Lernziele sind ihnen während dieser Woche so ziemlich egal – und das ist gut so! Wir aber sind überzeugt, dass die Kinder in dieser Woche viel für ihr Leben lernen.

Montag - Ohne Ktväuler geht es nicht

Am Flumserberg liegt dieses Jahr eher wenig Schnee. So bewältigten wir die steile Anfahrt erstmals ohne Schneeketten. Im Skigebiet sind die Pisten gut präpariert, der Schneesport macht fast allen Kindern Spass. Sie wurden von Carla und Sarina im Zug nach Unterterzen begleitet. Dort ging es bequem per Gondel mitten ins Skigebiet. Wie üblich hatten die Leiter das Haus bereits am Sonntag übernommen und alles für einen reibungslosen Ablauf vorbereitet. Einmal mehr möchten wir uns bei ihnen bedanken, denn ohne sie ginge es nicht. Die Küchenfrauen verpflegen uns vorzüglich. Ausserdem kümmern sie sich immer wieder um Kinder, die aus irgend einem Grund nicht am Programm auf der Skipiste teilnehmen können.

Nach dem Programm auf der Piste und einem vorzüglichen Abendessen bewegten wir die Kinder nochmals auf Schnee, nun aber in Wanderschuhen unter Sternenhimmel. Bei einer Schnitzeljagd tankten alle nochmals frische Luft, bevor wir sie müde, aber zufrieden ins Bett schickten. Es geht allen Kindern gut, wir freuen uns auf einen weiteren Sonnentag im Schnee!